Geschichte
Das heutige «Huus Puppenstuv» ist eines der ältesten heute noch bestehenden Häuser auf Spiekeroog.
In der Zeit zwischen ca. 1570 und 1600 wurde das alte Spiekerooger Inseldorf von seinem ehemaligen Standort westlich des heutigen «Haus Sturmeck» an seine heutige Stelle im damaligen Osten der Insel verlegt. Zuvor suchten mehrere verheerende Sturmfluten, sowie ein Piratenüberfall die kleine Dorfgemeinde heim, sodass die damals 12 Häuser im alten Dorf aufgegeben werden mussten. Das genaue Baudatum für das «Huus Puppenstuv» liegt leider bisher noch im Dunkeln. Anhand der alten Hausnummer, der Bauweise und anhand der Nennung in Dokumenten und Karten kann das Haus in eine Bauperiode, bzw. einen Bauzeitraum eingeordnet werden.
Noch bis in dieses Jahrhundert trug das Haus die alte Hausnummer 6, war also das sechste im neuen Dorf gebaute Haus, was auf ein sehr frühes Baudatum schliessen lässt. Das Doppelhaus Noorderloog 15 und Imbi&ss «Klabautermann» (Noorderloog 17) mit der alten Hausnummer 7/ 8 wurde zwischen 1610 und 1630 gebaut. Das Haus «Huus Puppenstuv» wurde, wie damals typisch, in Ost West Richtung gebaut und besitzt eine sogenannte Schwimmdachkonstruktion. Mit einem Schwimmdach versehene Häuser wurden auf Spiekeroog bis ca. 1750 gebaut. In diese Dachkonstruktionen konnten sich die Bewohner während der Sturmfluten mit ihrem Vieh und all ihrem Hab und Gut flüchten. Wenn das Hochwasser anstieg schlugen sie die Bolzen los, und als schliesslich die vom Wasser unterspülten Lehmwände einstürzten, löste sich die schwimmfähige Konstruktion von den aufrecht stehenden Ständern, der Nord- oder Nordwestwind griff in den Dachstuhl und in die holzverschalten Giebel, und das Dach trieb mit seiner wertvollen Fracht wie ein Schiff auf den tobenden Wogen in Richtung Festland, wo die Bewohner gerettet werden konnten. Das «Huus Puppenstuv» besitzt noch heute diese Schwimmdachkonstruktion, erkennbar durch die wuchtigen alten Balken in der Stube und im Schlafzimmer der Ferienwohnung für zwei Personen (Wohnung «West»). Andere Beispiele für Schwimmdachhäuser auf Spiekeroog sind das «Alte Inselhaus» mit der alten Hausnummer 20 (heute Cafe und Restaurant; Baujahr ca. 1701), das «Drifthuus» und das Doppelhaus Noorderloog 15/ 17 (Privathaus und Imbiss «Klabautermann»). Schon in der ersten Inselkarte, der
Hort'schen Karte von 1738, ist das «Huus Puppenstuv» verzeichnet. Das älteste Bild des «Huus Puppenstuv» (Maler unbekannt) ist ungefähr aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Besitzer des Hauses vor dem Jahr 1748 liegen leider ebenso im Dunkeln wie das Baudatum. Erst in der Hausbesitzerliste von 1748 ist ein Besitzer eingetragen. Von 1748 bis 1765 war das Haus im Besitz von Hillrich Eilerts Kock und, nachdem er 1758 mit nur 44 Jahren auf See blieb, seiner Ehefrau, die es ohne den Ernährer der Familie nicht mehr halten konnte und es schliesslich verkaufen musste. 1766 kaufte Hillrich Edden das Haus. Das Haus blieb bis 1857 im Besitz seiner Familie und Nachkommen. Als 1853 das Auswandererschiff «Johanne» strandete, wurden die Überlebenden der Katastrophe von den Insulanern aufgenommen. Sicherlich wurden auch im heutigen "Huus Puppenstuv" Schiffbrüchige von den damaligen Bewohnern mit dem Notdürftigsten versorgt. Im Jahre 1857 übernahm die Ehefrau des damaligen Lehrers und Inselvogtes Adde Heien Willms, Tätje Willms (übrigens Vorfahren der Besitzerin des Spiekerooger Buch- und Filmgeschäftes) das Haus. In den Jahren zwischen 1897 und 2000 war das Haus im Besitz der Familie Eimen. Die letzte Bewohnerin aus dieser Familie, Gesine Eimen, fertigte bis vor einigen Jahren noch Friesenpuppen an, was zum heutigen Namen des Hauses, «Huus Puppenstuv», führte. Im Jahre 2000 wurde das Haus schliesslich von der Familie Stahl übernommen.
(Eine ausführliche Hauschronik kann bei der Familie Stahl ausgeliehen werden.)